Landwirtschaft ist eine Lebenseinstellung
Milchprinzessin Annika Riefler ist Schülerin an Landwirtschaftsschule Kempten

Die Immenstädterin Annika Riefler möchte zeigen, was wirklich hinter unseren Lebensmitteln steckt.

Seit Mai 2026 vertritt die 21-Jährige als Bayerische Milchprinzessin die bayerische Milchwirtschaft. Mit Leidenschaft und Herzblut möchte sie für mehr Verständnis und Wertschätzung gegenüber der Landwirtschaft werben. Im Interview spricht sie über ihre Beweggründe, ihre Ziele und die besondere Bedeutung der Milchbauern für das Allgäu.

„Frau Riefler, erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie zur Bayerischen Milchprinzessin gewählt wurden?“

Ja, sehr gut sogar. Die Verkündung war unglaublich emotional. Ich habe tatsächlich angefangen zu weinen. Die Unterstützung der ehemaligen Milchhoheiten war so herzlich, dass ich völlig überwältigt war. Als ich dann zum ersten Mal als Bayerische Milchprinzessin vorgestellt wurde, habe ich mich unglaublich geehrt gefühlt. Das war ein unbeschreiblicher Moment.

„Warum haben Sie sich für das Amt der Milchhoheit beworben?“

Auf die Idee bin ich bei der „Grünen Woche“ in Berlin gekommen. Dort habe ich die damaligen Hoheiten erlebt und war sehr beeindruckt. Mir wurde schnell klar, dass dieses Amt viel mehr als nur repräsentative Auftritte ist. Man hat die Möglichkeit, Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern und wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten. Das hat mich motiviert, mich zu bewerben.“

„Woher kommt Ihre starke Verbindung zur Landwirtschaft?“

Ich bin zwar nicht auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, aber meine Eltern hatten einen Wald. Dadurch hatte ich schon früh Berührungspunkte mit der Landwirtschaft. Später habe ich mich entschieden, das Berufsgrundschuljahr zu absolvieren. Das hat mir so gut gefallen, dass ich anschließend meine Lehre auf zwei Milchviehbetrieben mit 60 beziehungsweise 100 Kühen gemacht habe. Die Ausbildung war anspruchsvoll, aber sie hat mir gezeigt, wie vielseitig und spannend dieser Beruf ist. Heute arbeite ich weiterhin in der Landwirtschaft und besuche zusätzlich die Landwirtschaftsschule in Kempten.

„Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit vermitteln?“

Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass die Landwirtschaft viel mehr ist als nur ein Beruf. Sie ist eine Lebenseinstellung und eine echte Leidenschaft. Viele Menschen sehen nur das fertige Produkt im Regal. Dahinter steckt jedoch sehr viel Arbeit, Wissen und Herzblut. Genau dieses Bild möchte ich vermitteln.

„Worauf freuen Sie sich in Ihrer Amtszeit besonders?“

Auf die vielen Begegnungen mit Menschen und die zahlreichen Veranstaltungen. Besonders freue ich mich auf die Grüne Woche in Berlin und auf landwirtschaftliche Termine in ganz Bayern. Mein Ziel ist es, die Amtszeit zu genießen, viele Kontakte zu knüpfen und die Landwirtschaft bestmöglich zu vertreten.

„Wo sehen Sie den größten Aufklärungsbedarf?“

Während eines Religions- und Bildungsseminars in Herrsching haben wir Passanten auf der Straße zur Landwirtschaft befragt. Dabei wurde deutlich: Auf dem Land haben viele Menschen noch einen Bezug zur Landwirtschaft. In den Städten fehlen diese Berührungs-punkte häufig. Viele wissen nicht mehr genau, wie Lebensmittel erzeugt werden oder was hinter ihrer Herstellung steckt. Genau hier möchte ich Aufklärungsarbeit leisten.

„Was macht die Arbeit mit den Tieren für Sie so besonders?“

Die Arbeit mit den Tieren ist etwas sehr Wertvolles. Landwirte kennen ihre Tiere genau, beobachten sie täglich und übernehmen viel Verantwortung für ihr Wohlbefinden. Gerade diese Nähe zwischen Mensch und Tier macht die Landwirtschaft für mich so besonders. Sie zeigt, wie viel Fürsorge, Wissen und Herzblut in der täglichen Arbeit auf den Betrieben stecken.

„Wie kann man junge Menschen für die Landwirtschaft begeistern?“

Indem man zeigt, wie abwechslungsreich dieser Beruf ist. Man muss nicht unbedingt von einem Hof kommen, um in der Landwirtschaft erfolgreich zu sein. Es gibt viele Möglichkeiten, sich einzubringen und etwas zu bewegen. Gerade jungen Menschen möchte ich diese Chancen näherbringen.

„Welche Bedeutung hat die Milchwirtschaft Ihrer Ansicht nach für das Allgäu?“

Eine sehr große. Ohne die Milchbauern würde das Allgäu nicht so aussehen, wie wir es heute kennen. Durch die Bewirtschaftung unserer Flächen entsteht unsere Kulturlandschaft. Gleichzeitig entstehen daraus hochwertige Lebensmittel. Dieses Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt macht unsere Region so besonders und ist weit über Bayern hinaus bekannt.

„Was wünschen Sie sich von den Verbraucherinnen und Verbrauchern?“

Mehr Wertschätzung und Bewusstsein für unsere Lebensmittel. Hinter jedem Liter Milch steckt viel Arbeit. Wenn Verbraucher wissen, wie Lebensmittel entstehen und welche Leistungen die Landwirte dafür erbringen, entsteht auch mehr Verständnis für die Landwirtschaft.

„Wenn Sie die Landwirtschaft in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?“

Leidenschaft, Tradition und Herzblut.

Vielen Dank für das Interview.

Eine Frau im Stall mit Kühen

Wer mit Annika Riefler spricht, merkt schnell, wie wichtig ihr die Landwirtschaft ist. Entschlossen und mit viel Elan will sie in den kommenden zwei Jahren als Bayerische Milchprinzessin für mehr Verständnis, Wertschätzung und Begeisterung für die Menschen werben, die täglich hochwertige Lebensmittel erzeugen.