Spannende Einblicke in das FÖJ
Vom Stadtleben in den Bergwald
Zoombild vorhanden
Die Arbeit im Wald macht großen Spaß, z.B. beim Auszeichnen von Bäumen.
Motorsägenkurs, Baumpflanzung mit einem Olympiasieger und ein Jagdansitz im Winter: Tina Hückel und Anja Dröscher entdecken beim Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) eine Welt, mit der sie zuvor keine Berührung hatten.
Die Motorsäge heult auf. Harzgeruch liegt in der Luft. Holzspäne wirbeln. Konzentriert setzt Tina Hückel den Schnitt an. Langsam beginnt sich der Stamm zu neigen. „Baum fällt!“ ruft der Ausbilder. Mit einem dumpfen Schlag trifft der rund zwanzig Zentimeter dicke Baum auf dem Waldboden auf. Für einen Moment ist es still. „Da hat es richtig gekribbelt“, sagt die 18-Jährige Tina und lacht. „Man ist so voller Adrenalin.“ Gemeinsam mit der 24-jährigen Anja Dröscher absolviert sie derzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Fachstelle für Schutzwaldmanagement am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten. Ihre Einsatzbasis haben die Beiden im Grünen Zentrum Immenstadt, von wo aus sie bei verschiedenen Projekten rund um Wald, Natur und Umweltbildung mitarbeiten.
Von September 2025 bis August 2026 - ein spannendes FÖJ-Jahr
Zoombild vorhanden
Mit Motorsäge und Schutzkleidung im Einsatz: Anja Dröscher (links) und Tina Hückel beim Entasten von Fichten.
Ein besonderes Highlight war der Motorsägenkurs bei Fischen. Der Kurs richtete sich eigentlich an Waldbesitzer. Zwischen Teilnehmern mit viel Erfahrung im Wald fielen die beiden jungen Frauen schnell auf. Denn die Zwei kommen aus der Stadt und hatten mit dieser Welt zuvor keine Berührung. Tina stammt aus Dresden. Anja kommt aus Gummersbach bei Köln und hat vor dem FÖJ an der Universität Lund in Schweden „Development Studies“ studiert. Am ersten Tag des Kurses ging es um Theorie. Sicherheitsregeln, Technik und Unfallverhütung standen auf dem Programm. Am zweiten Tag wurde es ernst:
Motorsägenkurs als Highlight
Unter Anleitung durften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst zur Motorsäge greifen. Natürlich mit kompletter Schutzkleidung, bestehend aus Helm, Gehörschutz und Schnittschutzhose. Nach dem Fällen war die Arbeit noch lange nicht erledigt. Die Stämme mussten vollständig entastet werden. Ast für Ast wurde mit der Motorsäge entfernt. Nicht immer lief alles nach Plan. Der gefällte Baum von Anja blieb mit der Krone im Bestand hängen und musste schließlich mit einer Seilwinde rausgezogen werden. „Da merkt man erst, wie viel Erfahrung und Wissen im Wald nötig ist“, sagt sie.
Einblicke in eine neue Welt
Zoombild vorhanden
Anja Dröscher und ihr FÖJ-Betreuer Anton Specht beim Pflanzen von Tannen.
Doch der Motorsägenkurs ist nur eines von vielen Erlebnissen während ihres Freiwilligenjahres. Spannend fanden beide auch eine Baumpflanzaktion, bei der sie gemeinsam mit dem nordischen Kombinierer Vinzenz Geiger junge Bäume setzten. „Normalerweise trifft man Olympiasieger nicht beim Bäume pflanzen“, sagt Tina schmunzelnd.Ein weiteres eindrückliches Erlebnis wartete im Winter im Gunzesrieder Tal. Früh morgens um sechs ging es gemeinsam mit Jägern zum Sammelansitz. Es war noch dunkel, der Schnee knirschte unter den Schuhen, während sich die Gruppe zu den Hochsitzen aufmachte. Unter der Kanzel der Beiden zeigte sich schließlich ein Reh. „So nah direkt dabei zu sein, war ein großartiges Erlebnis“, erzählt Tina begeistert. Bei dem Ansitz wurden zwei Geißen erlegt.
Neue Welten für die Anja und Tina
Besonders das anschließende „Aufbrechen“ der Tiere war für die beiden ungewohnt. Die Jäger erklärten dabei jeden Schritt und zeigten den Beiden wie der Gesundheitszustand des Wildes mit Hilfe der Organe beurteilt wird. „Das war für uns Vegetarierinnen schon eine Überwindung“, sagt Anja. „Aber gleichzeitig war es wichtig einmal dabei gewesen zu sein, da Jagd und Forst eng miteinander verbunden sind.“ Während ihres Freiwilligenjahres begleiten sie Förster bei Außenterminen, helfen bei Aktionen im Wald und bekommen Einblicke in verschiedene Bereiche der Forstverwaltung. Während Tina direkt nach der Schule ins FÖJ gestartet ist, hat Anja schon ein Bachelor-Studium hinter sich. Für Beide ist das Jahr eine bewusste Entscheidung, um praktische Erfahrungen zu sammeln und neue berufliche Perspektiven kennenzulernen.
Positives Fazit
Für ihre Zukunft können sich beide inzwischen gut vorstellen, in diesem Bereich weiterzumachen. Ein Zweitstudium in Forstwissenschaften wäre für sie eine Option, so Anja. „Auf jeden Fall etwas draußen in der Natur“, sagt Tina. Und wenn irgendwo im Wald wieder eine Motorsäge aufheult und der Ruf „Baum fällt!“ durch die Bäume hallt, dann stehen Tina und Anja längst nicht mehr nur staunend daneben.