Erlebnis Bauernhof
Bergschuhe statt Klassenzimmer

Ein Kind auf einer Weide mit Tablet

Erst geht es über den Schotterweg bergauf, dann vorbei an kleinen Bächen, immer weiter hinein in die Allgäuer Bergwelt. Für die 18 Kinder der Alpenklasse 3b der Grundschule Rettenberg wurde der Unterricht im Juni 2026 kurzerhand auf die Alpe „Heiße Loch“ verlegt.

Gemeinsam mit Erlebnisbäuerin Bianca wanderten die Schülerinnen und Schüler zur Alpe, auf der das Jungvieh der Familie Ettensperger den Sommer verbringt. Nach rund eineinhalb Stunden erreichte die Klasse die Alphütte. Dort wurden die Kinder vom Hirten Stephan, seiner Frau Evi und Sohn Matthis herzlich begrüßt.

Spannende Aktionen auf der Alpe

Doch die Drittklässler waren nicht nur zum Schauen gekommen. Bereits im Unterricht waren sie in verschiedene Forschergruppen eingeteilt worden. Eine Gruppe beobachtete das Verhalten der Tiere auf der Weide. Eine andere führte ein Interview mit dem Hirten. Weitere Kinder dokumentierten, wie aus Sahne Butter wird, oder beschäftigten sich mit den täglichen Aufgaben auf einer Alpe.

Harte Arbeit auf der Alpe

197 Stück Jungvieh und zwei Haflinger betreut Hirte Stephan in diesem Sommer. Von Mai bis Oktober lebt und arbeitet er auf der Alp. Seit 18 Jahren ist er Hirte, angefangen hat er als Kleinhirte. Sein Tag beginnt früh: Tiere kontrollieren, schauen, ob alle da sind und ob es ihnen gut geht, Zäune richten, Salzsteine aufstellen, Wege instand halten und Flächen schwenden. Am Abend treibt er das Vieh auf sichere Weidebereiche für die Nacht zusammen.
„Das Wichtigste ist das Vieh. Geht es ihm gut, geht es auch dem Hirten gut“, erklärte Stephan den Kindern.

Welches Tier gehört wem?
Besonders spannend fanden die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Zeichen im Fell der Tiere. Da auf einer Alp Jungvieh von mehreren Bauern weidet, bekommt jedes Tier ein eigenes Erkennungszeichen einrasiert. So kann der Hirte jederzeit erkennen, zu welchem Betrieb ein Tier gehört. Die Tiere der Familie Ettensperger tragen beispielsweise ein Viereck im Fell.
Auf der Weide lernten die Kinder außerdem, wie man sich als Wanderer gegenüber Weidetieren richtig verhält: ruhig bleiben, Abstand halten, die Tiere nicht bedrängen und den Weg zügig fortsetzen.

Butterschütteln

Ein Höhepunkt des Tages war die Butterherstellung. Dafür füllten die Kinder Schlagrahm in Marmeladengläser und schüttelten kräftig. Erst schwappte die Sahne hörbar hin und her, dann wurde es leiser – aus der Sahne war Schlagsahne geworden. Nach weiterem Schütteln klopfte schließlich ein Butterklumpen gegen das Glas. Die selbst gemachte Butter durfte anschließend natürlich probiert werden.

Viele Eindrücke für die Kinder

Ein Alphirte auf der AlpZoombild vorhanden

© Jessica Selmigkeit

Am Ende hatten die Kinder auch die Antwort auf die zentrale Frage des Tages: Warum verbringen Kühe den Sommer auf der Alp? Dort finden sie frisches Gras und Kräuter. Gleichzeitig können die Bauern die Wiesen im Tal nutzen, um Futter für den Winter zu gewinnen. Außerdem hilft die Beweidung dabei, die typische Allgäuer Kulturlandschaft offen zu halten.
Mit vielen neuen Eindrücken, neuem Wissen und dem Gefühl, einen echten Tag auf der Alp erlebt zu haben, machte sich die Klasse schließlich wieder auf den Rückweg ins Tal.

Der Besuch fand im Rahmen des Programms Erlebnis Bauernhof statt. Es ermöglicht Schulkindern in Bayern kostenlose Lernprogramme auf landwirtschaftlichen Betrieben. Im Oberallgäu beteiligen sich neben 14 Bauernhöfen auch zwei Alpen. Dort können Kinder hautnah erleben, warum die Alpwirtschaft für die Region so wichtig ist.

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