Exkursion ins Werdensteiner Moos
Wenn der Boden Geschichte erzählt
Dunkler Torf, feuchte Moose und Bodenschichten, die mehrere tausend Jahre Geschichte erzählen: Beim Projekttag „Moor“ 2026 wurde für die rund 30 Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Kempten deutlich, warum Moore weit mehr sind als nasse Flächen.
Im Werdensteiner Moos drehte sich alles um die Themen Klimaschutz, Renaturierung und Landwirtschaft sowie die Frage, wie Moorstandorte künftig genutzt und geschützt werden können.
Großes Moorgebiet im Oberallgäu
Mit einer Fläche von rund 85 Hektar zählt das Werdensteiner Moos zu den größten zusammenhängenden Moorgebieten im Landkreis Oberallgäu. Mit den nördlich angrenzenden Streuwiesen des Oberdorfer Mooses ist es als FFH-Gebiet ausgewiesen und damit Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Ein Moorpfad macht die besondere Landschaft für Besucher erlebbar und informiert über ihre Geschichte, ihre Tier- und Pflanzenwelt sowie ihre Bedeutung für Biodiversität und Klima.
Lange Geschichte
Die Geschichte des Werdensteiner Mooses ist eng mit menschlicher Nutzung verbunden. Hubert Heinl, Leiter des Reviers Sonthofen-West der Bayerischen Staatsforsten, ordnete diese Entwicklung für die Schüler ein. Bereits um 1700 wurde das Gebiet erwähnt. Später wurde Torf gestochen, zunächst als Heizmaterial und später in größerem Umfang zur Befeuerung von Dampflokomotiven auf der Strecke Kempten - Lindau. Durch Torfabbau, Entwässerung und Aufforstung wurde der ehemalige Hochmoorbereich stark verändert.
Vor etwa 40 Jahren begann die Wiedervernässung des Werdensteiner Mooses. Julia Wehnert vom Bund Naturschutz erklärte, wie Renaturierung in der Praxis aussieht. Ein wichtiger Schritt war es, das Moorgebiet stellenweise aufzulichten. Dadurch erhalten typische Moorpflanzen wie Torfmoose wieder mehr Licht und damit bessere Wachstumsbedingungen. Bleiben abgestorbene Torfmoosschichten wassergetränkt, werden sie nicht zersetzt und organische Substanz lagert sich ab – es entsteht Torf. Ganz allmählich – etwa 1 mm im Jahr – wächst diese Torfschicht weiter an. Wo Moore renaturiert werden geht es also darum, den Wasserstand anzuheben und das Wasser in der Fläche zu halten. „Damit ein Moor wieder wachsen kann, braucht es vor allem Wasser, Licht und Zeit. Durch die Auflichtung und den erhöhten Wasserstand bekommen die Torfmoose geeignete Wachstumsbedingungen“, erklärte Wehnert.
Bodenproben zeigen Landschaftsgeschichte
Bleibt das Wasser dagegen in der Fläche, kann das Moor seine natürlichen Funktionen erfüllen. Viele Moorstandorte wurden jedoch über Jahrzehnte und Jahrhunderte genutzt und sind Teil der betrieblichen Flächengrundlage. Pauschale Lösungen greifen deshalb zu kurz.
Der Projekttag machte deutlich: Moorschutz ist kein reines Naturschutzthema. Für die Landwirtschaft geht es um Boden, Wasser, Nutzung und Zukunftsfähigkeit. Entscheidend ist, welche Maßnahme zur jeweiligen Fläche passt, welche Nutzung möglich bleibt und welche Unterstützung Betriebe erhalten können.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass angehende Landwirte Moorstandorte verstehen. Denn wer später Verantwortung für Flächen übernimmt, muss wissen, was darauf und darunter passiert.
Ansprechpartner
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