Landwirtschaftsschule Kempten
15 neue Wirtschafter für Landbau starten in die Zukunft
Im festlichen Rahmen wurden an der Landwirtschaftsschule Kempten 15 Studierende des dritten Semesters verabschiedet. Sie dürfen sich nun „Staatlich geprüfte Wirtschafter für Landbau” nennen. Alle haben die Ausbildung erfolgreich bestanden.
Schulleiter Dr. Michael Honisch eröffnete die Schulschlussfeier 2026 und wies dabei auch auf den Internationalen Tag des Glücks hin, der auf den Veranstaltungstag fiel. Gleichzeitig gratulierte er den Absolventen zum erfolgreichen Abschluss von insgesamt drei intensiven Semestern. Für den feierlichen Rahmen sorgte die amtseigene Blaskapelle.
In ihrem Grußwort gratulierte Erna Kathrein Groll, ritte Bürgermeisterin der Stadt Kempten, den Studierenden zu ihrem Erfolg. Sie betonte die wichtige Rolle der Landwirtschaft für die Erzeugung von Lebensmitteln. Gerade im Allgäu prägt die Landwirtschaft die Region und gestaltet Lebensräume. In einer Zeit, in der vieles infrage gestellt wird, ist es umso wichtiger, Wissen und Praxis verständlich zu vermitteln.
Alexander Hold, Vizepräsident des Landtags, betonte die große Bedeutung der Landwirtschaft für die Region. Das Allgäu ist maßgeblich durch seine bäuerlich geprägte Kulturlandschaft geprägt. Dabei spielt Nachhaltigkeit seit jeher eine wichtige Rolle. Gleichzeitig stellte er heraus, dass die Landwirtschaft zunehmend im Fokus der Gesellschaft steht und die Erwartungen der Verbraucher gestiegen sind. Umso wichtiger ist eine starke regionale Landwirtschaft. Sein politisches Ziel ist es, landwirtschaftliche Familien zu stärken. Den Absolventen gab er mit auf den Weg, dranzubleiben und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Landwirtschaft befindet sich im Wandel, neue Betriebsformen entstehen. Mit dem Abschluss beginnt ein neuer Lebensabschnitt, für den neben fachlichem Wissen auch unternehmerischer Geist und Freude am Beruf notwendig sind.
Auch der stellvertretende Landrat Thomas Eigstler gratulierte stellvertretend für die Landrätin zu den gezeigten Leistungen. Die Ausbildung sei mehr als reines Lernen und viele blickten später mit Stolz auf diese Zeit zurück. Mit Blick auf die Region betonte er die enge Verbindung zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Die Kulturlandschaft ist die Grundlage für die Attraktivität des Allgäus, gleichzeitig gibt es noch Potenziale. Rückschläge gehören dazu, entscheidend ist, immer wieder aufzustehen, gab Eigstler ihnen als Rat für die Zukunft mit.
Einen anschaulichen Vergleich zog Ralf Arnold, Kreisobmann des BBV im Landkreis Lindau. Er stellte die Ausbildung dem Jahreslauf in der Landwirtschaft gegenüber und machte deutlich, dass Entwicklung Zeit, Einsatz und Durchhaltevermögen erfordert.
Auch Behördenleiter Rainer Hoffmann griff die aktuelle Situation auf und verwies mit einem Augenzwinkern auf die Baustelle vor Ort. Die Abschlussfeier wird von einer Betonpumpe begleitet. 2027 kann sie voraussichtlich bereits im Neubau stattfinden. Für die siebenstellige Förderung des Freistaates Bayern sprach er seinen ausdrücklichen Dank aus.
Einen fachlichen Schwerpunkt setzte der Vortrag des Studierenden Alexander Wagner. Er zeigte auf, wie sich der Klimawandel auf das Grünlandwachstum auswirkt. Demnach werden die Frühjahre nasser und die Sommer trockener. Das Risiko von Ertragsschwankungen wächst. Entscheidend ist es, den eigenen Betrieb frühzeitig zukunftsfähig auszurichten, zum Beispiel im Grünland rechtzeitig nachzusäen.
Lisa Nagel und Nicole Vögel sorgten mit ihrem Semesterrückblick für einen persönlichen und amüsanten Einblick. Sie erinnerten an zahlreiche Exkursionen zu Betrieben, Fahrten zur Grünen Woche nach Berlin, den Besuch einer Käserei sowie weiteren Unternehmen.
Auch der stellvertretende Schulleiter Daniel Jeschke blickte auf die vergangenen eineinhalb Jahre zurück. Die Ausbildung habe eine deutliche persönliche Entwicklung angestoßen und die Studierenden gut auf die Zukunft vorbereitet. Ihr wahrer Nutzen zeigt sich oft erst später im Berufsleben. Neben fachlichem Wissen war auch Ausdauer gefragt, etwa bei der betriebswirtschaftlichen Auswertung der eigenen Betriebe. Der Jahrgang mit 15 Studierenden spiegelt die Vielfalt der Landwirtschaft wider. Jeschke hob besonders die Offenheit innerhalb der Klasse hervor und gab den Absolventen mit auf den Weg, offen für Veränderungen zu bleiben und ihre Betriebe durch Innovation erfolgreich weiterzuentwickeln.
Ein Höhepunkt war die Überreichung der Zeugnisse sowie die Auszeichnung der drei besten Absolventen. Lisa Nagel aus Altusried mit der Note 1,00, Jacob Kuisle aus Wildpoldsried mit 1,18 und Nicole Vögel aus Oberreute mit 1,31 bekamen für ihre Leistungen Stipendien und kleine Präsente überreicht.
Gleichzeitig wurden bei der Feier die Absolventen des ersten Semesters geehrt. Als besondere Geste erhielten die Studierenden Linden, die sie auf ihren Höfen pflanzen können. Die Bäume stehen symbolisch für Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und Heimat und sollen an die Zeit an der Landwirtschaftsschule erinnern. In seinen Schlussworten bedankte sich Honisch für die vielen Impulse und das Engagement. Ein besonderer Dank galt auch den Eltern, die ihre Kinder während der Schulzeit unterstützt und von der Arbeit freigestellt haben.
Interview mit der Jahrgangsbesten Lisa Nagel „Ich wollte raus aus der Theorie“
Lisa Nagel aus Altusried hat ihre Ausbildung zur Wirtschafterin des Landbaus mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Weg in die Landwirtschaft und warum Praxis für sie entscheidend ist.
Ich war einfach nur erleichtert und glücklich. Es war eine intensive Zeit, deshalb fühlt es sich richtig gut an, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.
Ich komme ursprünglich aus der Nähe von Dresden. Nach dem Abitur habe ich ein freiwilliges ökologisches Jahr gemacht und danach ein duales Studium im Bereich Landwirtschaft angefangen.
Mir hat der Praxisbezug gefehlt, vor allem während der Corona-Zeit. Es war viel Theorie am Bildschirm und wenig echte Arbeit draußen. Ich wollte aber genau das, deshalb habe ich mich entschieden, das Studium abzubrechen. Die Ausbildung zur Landwirtin habe ich fertig abgeschlossen.
Ich war noch als Angestellte ein Jahr auf einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Altötting in Oberbayern. Danach wollte ich bewusst nochmal etwas Neues sehen und bin ins Oberallgäu gegangen.
Die Grünlandwirtschaft. Das ist nochmal eine ganz andere Ausrichtung, und ich wollte meinen Horizont erweitern.
Die Gemeinschaft in der Klasse. Wir hatten viele gemeinsame Erlebnisse, zum Beispiel Lehrfahrten nach Berlin zur Grünen Woche und in den Bundestag oder auch gegenseitige Betriebsbesuche.
Die gute Note ist nicht nur durch Lernen entstanden, sondern auch durch gegenseitige Unterstützung und Motivation.
Neben dem fachlichen Wissen vor allem die Freundschaften. Ich hoffe sehr, dass die noch lange bestehen bleiben.


