Exkursion ins Werdensteiner Moos
Wenn der Boden Geschichte erzählt

Dunkler Torf, feuchte Moose und Bodenschichten, die mehrere tausend Jahre Geschichte erzählen: Beim Projekttag „Moor“ 2026 wurde für die rund 30 Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Kempten deutlich, warum Moore weit mehr sind als nasse Flächen.

Im Werdensteiner Moos drehte sich alles um die Themen Klimaschutz, Renaturierung und Landwirtschaft sowie die Frage, wie Moorstandorte künftig genutzt und geschützt werden können.

Moore sind in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus gerückt. Der Klimawandel hat gezeigt, wie wichtig diese besonderen Lebensräume für den Wasserhaushalt, den Artenschutz und die Speicherung von Kohlenstoff sind. Dieses Wissen ist auch für angehende Landwirte wichtig. Viele Moorflächen wurden in der Vergangenheit entwässert, abgebaut oder landwirtschaftlich genutzt. Heute geht es darum, Klimaschutz, Naturschutz und Nutzung besser miteinander zu verbinden.

Großes Moorgebiet im Oberallgäu

Zunächst hielt Georg Ott vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten einen Vortrag über die Entstehung von Mooren. Er erklärte, warum ihr Schutz heute eine wichtige Rolle spielt, welche Formen der Bewirtschaftung auf Moorstandorten möglich sind und welche Fördermöglichkeiten es für Maßnahmen rund um Moor und Klimaschutz gibt. „Moore sind für die Landwirtschaft ein anspruchsvolles Thema. Viele Flächen wurden über Generationen genutzt. Heute geht es darum, für jeden Standort genau hinzuschauen: Was ist fachlich sinnvoll, was ist wirtschaftlich tragbar und welche Fördermöglichkeiten können Betriebe unterstützen?“, so Ott. Anschließend ging es hinein ins Moorgebiet.

Mit einer Fläche von rund 85 Hektar zählt das Werdensteiner Moos zu den größten zusammenhängenden Moorgebieten im Landkreis Oberallgäu. Mit den nördlich angrenzenden Streuwiesen des Oberdorfer Mooses ist es als FFH-Gebiet ausgewiesen und damit Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Ein Moorpfad macht die besondere Landschaft für Besucher erlebbar und informiert über ihre Geschichte, ihre Tier- und Pflanzenwelt sowie ihre Bedeutung für Biodiversität und Klima.

Lange Geschichte
Die Geschichte des Werdensteiner Mooses ist eng mit menschlicher Nutzung verbunden. Hubert Heinl, Leiter des Reviers Sonthofen-West der Bayerischen Staatsforsten, ordnete diese Entwicklung für die Schüler ein. Bereits um 1700 wurde das Gebiet erwähnt. Später wurde Torf gestochen, zunächst als Heizmaterial und später in größerem Umfang zur Befeuerung von Dampflokomotiven auf der Strecke Kempten - Lindau. Durch Torfabbau, Entwässerung und Aufforstung wurde der ehemalige Hochmoorbereich stark verändert.
Vor etwa 40 Jahren begann die Wiedervernässung des Werdensteiner Mooses. Julia Wehnert vom Bund Naturschutz erklärte, wie Renaturierung in der Praxis aussieht. Ein wichtiger Schritt war es, das Moorgebiet stellenweise aufzulichten. Dadurch erhalten typische Moorpflanzen wie Torfmoose wieder mehr Licht und damit bessere Wachstumsbedingungen. Bleiben abgestorbene Torfmoosschichten wassergetränkt, werden sie nicht zersetzt und organische Substanz lagert sich ab – es entsteht Torf. Ganz allmählich – etwa 1 mm im Jahr – wächst diese Torfschicht weiter an. Wo Moore renaturiert werden geht es also darum, den Wasserstand anzuheben und das Wasser in der Fläche zu halten. „Damit ein Moor wieder wachsen kann, braucht es vor allem Wasser, Licht und Zeit. Durch die Auflichtung und den erhöhten Wasserstand bekommen die Torfmoose geeignete Wachstumsbedingungen“, erklärte Wehnert.

Bodenproben zeigen Landschaftsgeschichte

Besonders anschaulich wurde das Thema bei den Bodenproben. Die Schüler konnten direkt im Gelände erkennen, wie sich die verschiedenen Moorschichten in Tiefe und Konsistenz voneinander unterscheiden. In den Proben wurde deutlich, wie sich über lange Zeit Pflanzenreste abgelagert haben und daraus Torf entstanden ist. Die Allgäuer Moore sind nach der letzten Eiszeit entstanden, also teilweise bis zu 10.000 Jahre alt. Sie sind damit nicht nur Lebensraum und Kohlenstoffspeicher, sondern auch ein Archiv der Landschaftsgeschichte. Moorboden ist kein gewöhnlicher Boden. Bei Entwässerung wird er belüftet und der gespeicherte Kohlenstoff entweicht als CO2. Für insgesamt 7 Prozent der gesamten bayerischen Treibhausgasemissionen sind entwässerte Moore verantwortlich.

Bleibt das Wasser dagegen in der Fläche, kann das Moor seine natürlichen Funktionen erfüllen. Viele Moorstandorte wurden jedoch über Jahrzehnte und Jahrhunderte genutzt und sind Teil der betrieblichen Flächengrundlage. Pauschale Lösungen greifen deshalb zu kurz.

Auch die landwirtschaftliche Perspektive kam zum Schluss zur Sprache. Landwirt Tobias Ruppaner und Landwirtin Elena Mayer, die Flächen im angrenzenden Bereich bewirtschaften, berichteten von ihren Erfahrungen. Sie machten deutlich, dass Moorschutz und landwirtschaftliche Nutzung gut abgestimmt werden müssen. Entscheidend sei der Austausch zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Forst und Behörden.
Der Projekttag machte deutlich: Moorschutz ist kein reines Naturschutzthema. Für die Landwirtschaft geht es um Boden, Wasser, Nutzung und Zukunftsfähigkeit. Entscheidend ist, welche Maßnahme zur jeweiligen Fläche passt, welche Nutzung möglich bleibt und welche Unterstützung Betriebe erhalten können.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass angehende Landwirte Moorstandorte verstehen. Denn wer später Verantwortung für Flächen übernimmt, muss wissen, was darauf und darunter passiert.

Ansprechpartner

Georg Ott
AELF Kempten (Allgäu)
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